Buch online veröffentlichen vs. im Buchhandel

Buch online veröffentlichen vs. im Buchhandel

Buch online veröffentlichen vs. im Buchhandel: Wie Autor:innen wirklich verdienen können

Die Frage, wo und wie man sein Buch veröffentlicht, ist heute komplexer denn je. Neben klassischen Buchverlagen und Selfpublishing-Plattformen gibt es inzwischen eine Vielzahl von Online-Leseplattformen, auf denen Geschichten direkt veröffentlicht und von einer Community gelesen werden können.

Doch welche Variante lohnt sich finanziell wirklich? Und wo liegt das größere Potenzial für langfristige Einnahmen als Autor:in?

In diesem Artikel vergleichen wir beide Wege – von Wattpad bis BoD, von Community-Plattform bis Print-on-Demand – mit Fokus auf Monetarisierungsmöglichkeiten für Autor:innen.

1. Online-Leseplattformen: Schreiben für die Community

Online-Leseplattformen sind meist soziale Netzwerke rund ums Lesen und Schreiben. Hier steht nicht der Verkauf eines Buchs im Vordergrund, sondern das Teilen und Wachsen mit einer aktiven Community. Viele Autor:innen nutzen sie als Sprungbrett, um erste Leser:innen zu gewinnen, Feedback zu erhalten oder sich einen Namen aufzubauen.

Wattpad – Reichweite ja, Einnahmen kaum

Wattpad ist die wohl bekannteste Leseplattform weltweit. Sie bietet Autor:innen die Möglichkeit, Geschichten kostenlos zu veröffentlichen und ein Publikum aufzubauen.

Allerdings: Verdienen kann man hier nur, wenn man zu den absoluten Top-Autor:innen gehört. Das Monetarisierungsprogramm wird nicht frei angeboten, sondern von der Wattpad-Redaktion ausgewählt. Nur Autor:innen mit sehr hoher Reichweite – teils Millionen von Views – werden proaktiv eingeladen, etwa über das Wattpad Stars– oder Paid Stories-Programm. Für alle anderen bleibt Wattpad in erster Linie eine Plattform für Sichtbarkeit, nicht für Einnahmen.

Vorteile:

  • Große internationale Community
  • Direkter Kontakt zu Leser:innen
  • Potenzielle Entdeckung durch Verlage oder Filmstudios

Nachteile:

  • Kaum oder keine Monetarisierung
  • Inhalte bleiben Eigentum der Autor:innen, aber Plattformrechte sind teils weitreichend
  • Enormer Wettbewerb

Inkitt – Monetarisierung über Abos

Inkitt kombiniert Leseplattform und Selfpublishing-Ansatz. Leser:innen können hier Geschichten abonnieren, ähnlich wie bei Patreon oder Buy Me a Coffee.

Allerdings funktioniert dieses System nur dann, wenn man bereits eine sehr aktive Community aufgebaut hat – die Zahlungsbereitschaft ist begrenzt, und Autor:innen müssen viel Engagement investieren, um dauerhaft Einnahmen zu erzielen.

Vorteile:

  • Gute Plattformstruktur und einfache Veröffentlichung
  • Abo-System für Fans möglich
  • Potenzielle Aufnahme in Inkitts eigenen Verlag (Galatea)

Nachteile:

  • Einnahmen nur bei großer Community
  • Abhängigkeit von Plattform-Algorithmen
  • Begrenzte Sichtbarkeit für neue Autor:innen

Story Ban – ausdrücklich nicht-kommerziell

Story Ban verfolgt einen anderen Ansatz: Die Plattform ist nicht-kommerziell und versteht sich als freier Raum für literarischen Austausch. Autor:innen dürfen hier weder Werbung noch Leseproben zu Verkaufszwecken veröffentlichen, und eine Monetarisierung ist ausdrücklich ausgeschlossen.

Vorteile:

  • Unabhängige, werbefreie Plattform
  • Ideal für Hobbyautor:innen und kreative Experimente

Nachteile:

  • Keine Einnahmemöglichkeiten
  • Begrenzte Reichweite

Colibli – Kapitelbasierte Vergütung

Eine interessante Ausnahme ist Colibli. Hier verdienen Autor:innen automatisch an jedem aufgerufenen Kapitel. Das bedeutet: Auch kleinere Geschichten können sich lohnen, sofern sie regelmäßig gelesen werden. Dieses Modell ist besonders spannend für Autor:innen, die regelmäßig veröffentlichen und eine kontinuierliche Leserschaft aufbauen möchten.

Vorteile:

  • Faire, transparente Vergütung
  • Direkter Zusammenhang zwischen Aktivität und Einnahmen
  • Kein Zwang zu Abos oder Werbung

Nachteile:

  • Neue Plattform mit begrenzter Reichweite
  • Einnahmen abhängig von Lesefrequenz

2. Buchhandel & Print-on-Demand: Kontrolle über Preis und Tantiemen

Während Leseplattformen oft mit Reichweite punkten, bieten Print-on-Demand-Dienste (PoD) den großen Vorteil, dass Autor:innen direkt an jedem verkauften Buch verdienen. Hier wird jedes Exemplar erst bei Bestellung gedruckt, wodurch keine Vorabkosten für Lagerung oder Mindestauflagen entstehen.

Vorteile von Print-on-Demand

  • Volle Preiskontrolle: Autor:innen legen Verkaufspreise und Margen selbst fest.
  • Keine Vorabkosten: Gedruckt wird nur, was bestellt wird.
  • Verfügbarkeit im Buchhandel: Titel können über ISBN im Online- und stationären Handel erscheinen.
  • Professionelles Erscheinungsbild: Cover, Layout und ISBN sind standardisiert und meist hochwertig.

Nachteile von Print-on-Demand

  • Marketing liegt komplett beim Autor. Ohne Community oder Werbung wird kaum jemand das Buch finden.
  • Kosten für Zusatzleistungen: Korrektorat, Coverdesign, Lektorat und Satz kosten meist extra.
  • Technische Hürden: Je nach Anbieter sind Formatierung und Metadaten aufwendig.

Tredition – kostenlos & transparent

Tredition ist eine der wenigen PoD-Plattformen, die komplett kostenlos funktioniert. Autor:innen zahlen keine Einmalgebühr, erhalten aber dennoch eine ISBN und Vertrieb über den Buchhandel. Einnahmen entstehen durch Verkäufe, und die Tantiemen können selbst bestimmt werden.

Vorteile:

  • Keine Einstiegskosten
  • Faire Tantiemen
  • Veröffentlichung als Print und E-Book

BoD (Books on Demand) – Qualität hat ihren Preis

BoD ist eine der bekanntesten deutschen Selfpublishing-Plattformen. Sie überzeugt mit hoher Druckqualität, breiter Distribution und guten Support-Optionen. Allerdings: Das Ganze hat seinen Preis. BoD verlangt Einrichtungsgebühren und teils jährliche Kosten für bestimmte Pakete.

Vorteile:

  • Hochwertiger Druck
  • Verlässlicher Service
  • Starke Distribution (inkl. Amazon, Thalia, Hugendubel)

Nachteile:

  • Hohe Einstiegskosten
  • Abhängigkeit vom gewählten Paket

Tolino Media – technisch anspruchsvoll, aber fair

Tolino Media liegt preislich und konzeptionell zwischen Tredition und BoD. Besonders für E-Books ist die Plattform interessant, allerdings ist die technische Umsetzung teils komplexer, da Formatvorgaben und Metadaten sehr exakt eingehalten werden müssen.

Vorteile:

  • Starke Präsenz im deutschen Buchhandel
  • Faire Konditionen
  • Fokus auf digitale Bücher

Nachteile:

  • Technisch anspruchsvoll
  • Weniger ideal für Einsteiger:innen

3. Warnung vor „Druckkostenzuschussverlagen“

Ein wichtiger Hinweis für alle, die ihr Buch veröffentlichen möchten: Finger weg von sogenannten Druckkostenzuschussverlagen.

Diese Anbieter werben oft mit Begriffen wie „professionelle Veröffentlichung“ oder „Verlagsvertrag“, verlangen aber mehrere tausend Euro für Leistungen, die bei seriösen Selfpublishing-Plattformen kostenlos oder günstiger erhältlich sind. Sie sind keine echten Verlage, da sie kein wirtschaftliches Risiko übernehmen und in der Regel auch kein echtes Marketing bieten.

4. Fazit: Sichtbarkeit oder Selbstbestimmung?

Beide Wege haben ihre Berechtigung – entscheidend ist dein Ziel.

ZielEmpfehlung
Reichweite & Community aufbauenLeseplattformen wie Wattpad oder Colibli
Einnahmen pro Verkauf erzielenPrint-on-Demand (z. B. Tredition, BoD, Tolino)
Experimentieren & Feedback erhaltenStory Ban oder Wattpad
Langfristig als Autor:in veröffentlichenKombination aus PoD & Community-Aufbau

Kurz gesagt: Wenn du von deinem Schreiben leben willst, führt langfristig kein Weg an einer professionellen Veröffentlichung über den Buchhandel vorbei – aber Leseplattformen können der perfekte Startpunkt sein, um dich und deine Geschichten bekannt zu machen.

Veröffentlicht von scribigo.de – dem KI-gestützten Textbuddy für Autor:innen, Studierende und Verlage.

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